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Das Protokoll der GV im März 2018

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Neue Zürcher Zeitung 05.02.2017
Verkauf der Maschinenfabrik Netstal
Auch Näfels wartet gespannt auf Chem China
von Dominik Feldges
Die Offerte von Chem China für den Agrochemiekonzern Syngenta gibt viel zu reden. Doch nicht nur in Basel, auch im Glarnerland will sich der chinesische Riese Schweizer Spitzentechnik sichern.

Der einkaufsfreudige chinesische Staatskonzern Chem China greift bei der Begründung seiner Akquisitionen in Europa stets in dieselbe Schublade. Jedes Mal versichert der Chairman und starke Mann des Unternehmens, Ren Jianxin, dass die Identität und die operative Selbständigkeit der übernommenen Firma gewahrt blieben. Doch ebenso betont er, dass der Zukauf auch der technologischen Weiterentwicklung bestehender chinesischer Einheiten des Unternehmens dienen solle.

Höhere Wertschöpfung lockt

In diesem Sinn sprach Ren diesen Mittwoch, als er in Basel seine Aufwartung beim weltgrössten Hersteller von Pflanzenschutz-Produkten Syngenta machte. Auf derselben Ebene hatte er vor einem knappen Jahr bei der Ankündigung der Übernahme des auf das Hochpreissegment ausgerichteten italienischen Reifenherstellers Pirelli argumentiert. Verglichen mit diesen beiden Weltkonzernen ist die deutsche Maschinenbaugruppe Krauss Maffei mit ihrer Schweizer Tochterfirma Netstal ein kleines Unternehmen, doch verfügt sie im Bereich der in der Kunststoffverarbeitung verwendeten Spritzgiessmaschinen über eine führende Position. Ähnlich wie Syngenta und Pirelli verspricht sie dem bisher eher auf einfachere Produkte ausgerichteten Chemieriesen Chem China die Chance, in der Wertschöpfungskette nach oben zu rücken.

Chem China hat vor Monatsfrist bekanntgegeben, die Gruppe Krauss Maffei, zu der Netstal seit 1992 gehört, zu erwerben(Verweis) . Die Absichten des chinesischen Kolosses, der rund 140 000 Mitarbeiter beschäftigt, sind wie im Fall von Syngenta schwierig einzuschätzen. Zwar macht man sich innerhalb der ganzen Krauss-Maffei-Gruppe Hoffnungen, von einem verbesserten Zugang zum chinesischen Absatzmarkt zu profitieren. Eine andere Frage ist jedoch, wie sicher die auf Europa konzentrierten Arbeitsplätze sind. Krauss Maffei beschäftigt weltweit 4500 Mitarbeiter, 2800 davon in Deutschland. Im glarnerischen Näfels, dem Sitz von Netstal, sind nach einer Restrukturierung, die vor zweieinhalb Jahren ihren Anfang nahm, 400 von zuvor rund 600 Arbeitsplätzen übrig geblieben.

Kanadier machen Kasse

Mit Eigentümerwechseln hat man bei Netstal Erfahrung. Der bisherige Eigentümer, die kanadische Beteiligungsgesellschaft Onex, hielt am Investment in Krauss Maffei nur gerade drei Jahre lang fest. In dieser kurzen Zeit vollbrachten die Kanadier aber eine substanzielle Wertsteigerung. Sie hatten Ende 2012 für den nun zum Preis von 925 Mio. € an Chem China veräusserten deutsch-schweizerischen Maschinenhersteller erst 568 Mio. € bezahlt, wobei indes nicht bekannt ist, wie viel zusätzliches Kapital dazwischen für Investitionen eingeschossen wurde.

Onex dürfte das eine oder andere auch bei Netstal finanziert haben. Die Glarner Firma, deren Spritzgiessmaschinen unter anderem in der Produktion von PET-Getränkeflaschen und Blut-Röhrchen eingesetzt werden, hat ihr Produkteportefeuille stark verjüngt. Bereits letztes Jahr wurden mehrere Neuheiten lanciert, weitere sollen auf die diesjährige Fachmesse K hin auf den Markt kommen. Die K in Düsseldorf, die nur alle drei Jahre stattfindet, gilt als das wichtigste Treffen der Kunststoffbranche.(Verweis)

Seit 2002 wechselten bei Krauss Maffei und Netstal insgesamt viermal die Besitzer. Immer waren Finanzinvestoren involviert, wobei der erste von ihnen, die bekannte amerikanische Private-Equity-Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR), sich noch gemeinsam mit dem deutschen Industriekonzern Siemens engagiert hatte. Im Sommer 2012, wenige Monate vor dem Einstieg von Onex, kamen Spekulationen auf, Schweizer Investoren seien an einer Herauslösung von Netstal interessiert, doch blieb es bei Gerüchten. Bereits 1998 hatte der damalige Unternehmer und Netstal-Verwaltungsratspräsident Christoph Blocher eine Übernahmeofferte unterbreitet, die jedoch zurückgewiesen wurde. 2001 meldete er sich erneut als Kaufinteressent zu Wort. Er gab damals zu Protokoll, dass unter den von Siemens angebotenen verschiedenen Maschinenbauunternehmen ihn «Netstal und nur Netstal» interessiere.

«Erst einmal keine Eingriffe»

Laut einem Sprecher von Krauss Maffei beabsichtigt der neue Eigentümer Chem China «erst einmal überhaupt keine Eingriffe in die Unternehmensstruktur der Gruppe». Diese Feststellung gelte auch für Netstal. Im Pressecommuniqué zur Ankündigung der Akquisition lässt sich Chairman Ren Jianxin allerdings dahingehend zitieren, dass man mit Blick auf «einige Tochterunternehmen in China» von der Kompetenz der Krauss-Maffei-Gruppe in Fragen des Managements und der Technologie zu profitieren erwarte. Offenbar verspricht man sich einen grösseren Know-how-Transfer, wobei offen ist, ob dadurch zu einem späteren Zeitpunkt auch Verlagerungen von Produktions- oder Entwicklungseinheiten von Europa nach China angestossen werden.

Ein Schweizer Kunde, der seit mehreren Jahrzehnten Maschinen von Netstal bezieht, aber ungenannt bleiben will, befürchtet genau das. Roland Bartholet, dessen Flumser Industriegruppe BMF im Herbst 2014 die mechanische Fertigung von Netstal erworben hat und in diesem Bereich mit dem Glarner Unternehmen weiterhin am meisten Umsatz erzielt, glaubt dagegen nicht, dass Chem China aus einem schweizerischen dereinst ein chinesisches Produkt machen wird. Schweizer Qualität und Verlässlichkeit stünden gerade bei asiatischen Kunden hoch im Kurs, sagt er.

Die Firma BMF, deren Hauptgeschäft die Herstellung von Seilbahnen ist, übernahm im Zuge des Kaufs der mechanischen Fertigung von Netstal rund 40 Mitarbeiter in Näfels. Weniger Glück hatten Netstal-Angestellte, die in der zerspanenden Fertigung und in der Baugruppen-Vormontage beschäftigt waren. Deren Tätigkeiten waren ab 2013 in Werke der Krauss-Maffei-Gruppe in Deutschland und in der Slowakei verlagert worden, wobei die Münchner Firma diese Massnahmen mit «starkem Kostendruck» und einem «intensiveren Marktumfeld» begründet hatte.

Verbesserte Auftragssituation

Die letztjährige massive Erstarkung des Frankens gegenüber dem Euro hat die Attraktivität des Standorts Schweiz für die deutsche Krauss-Maffei-Gruppe weiter geschmälert. Ob unter dem neuen Eigentümer Chem China der Standort Näfels bei Investitionen trotz allem wieder vermehrt zum Zug kommt, wird sich weisen. Die Chancen dafür sind grundsätzlich intakt. 2015 sei der Umsatz von Netstal zwar gefallen, doch präsentiere sich die Auftragslage seit dem vergangenen September wieder «deutlich erfreulicher», ist aus der Krauss-Maffei-Zentrale zu vernehmen.

Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung

Neue Zürcher Zeitung 16.122016


Schwingen
Glarus will das Eidgenössische Schwingfest
Ein Kanton im Ruhemodus
Der Kanton Glarus ist finanziell gesund, hat diverse Reformen hinter sich. Doch der Elan ist etwas verloren gegangen. Vor allem der südliche Kantonsteil braucht neuen Schwung.
Zum ersten Mal überhaupt soll ein Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest im Kanton Glarus stattfinden. Die Glarner Regierung will das Eidgenössische 2025 nach Mollis holen.
(sda) Innerhalb des Landesteilverbandes Nordostschweiz, der in neun Jahren turnusgemäss für die Durchführung des Festes verantwortlich sein wird, zeichnen sich noch zwei weitere Bewerbungen ab. Die Kandidatur in St. Gallen, wo das Eidgenössische zuletzt im Jahr 1980 stattfand, ist recht weit fortgeschritten. Ein starkes Interesse besteht überdies im Kanton Schaffhausen.

Die Glarner Regierung ist bereit, den immer beliebter werdenden Grossanlass mit bis zu 2,2 Millionen Franken zu unterstützen. Sie hat eine Vorlage ausgearbeitet, die die Details der Unterstützung regelt. So soll der Verein «Kandidatur ESAF 2025 Glarus» bei der Kandidatur um die Austragung des Festes mit 200'000 Franken unterstützt werden. Erhält Glarus von der Delegiertenversammlung des Nordostschweizer Verbandes den Zuschlag, will die Regierung maximal 1,3 Millionen Franken für die Organisation und Durchführung des Anlasses bereitstellen. Im Betrag enthalten sind vom Kanton selber erbrachte oder vermittelte Sach- und Dienstleistungen.
Weiter würde Glarus eine Defizitgarantie von 700'000 Franken übernehmen. Der Regierungsrat streicht heraus, dass der Kanton keine Infrastrukturbauten erstellen oder finanzieren würde.

In den Augen der Exekutive wäre das Schwingfest ein Generationenprojekt, das mit seiner Grösse und dem jahrelangen Vorlauf für Aufbruchstimmung im Kanton sorgen würde. Das Fest würde ein bedeutender Wirtschafts- und Imagefaktor für die ganze Region, die Kooperationsfähigkeit stärken und eine erhebliche Wertschöpfung generieren, ist die Regierung überzeugt.

Die Kandidatur «Glarnerland plus» will auch St. Galler Gemeinden in der Linth-Ebene einbeziehen. Die Region Zürichsee-Linth hat bereits einen Beitrag von 50'000 Franken für die Kandidatur gesprochen.

Mit freundlicher Genehmigung der Neuen Zürcher Zeitung

Neue Zürcher Zeitung 13.09.2016


Wasserkraft in Glarus
Drohende Millionenverluste


Wasserkraft in Glarus
Drohende Millionenverluste
von Jörg Krummenacher
Die längste Staumauer der Schweiz und mir ihr das Pumpspeicherwerk Linth-Limmern sind gesegnet und eingeweiht. Der Kanton Glarus ist beteiligt und hoffte auf gute Rendite. Nun schreibt er satte Verluste.

Die herrschende Differenz zwischen den Gestehungskosten und den (zu) tiefen Preisen im europäischen Strommarkt stellt für Energiekonzerne ein existenzielles Problem dar. Eingebunden sind auch die Kantone: Ihre sicher geglaubten Erträge aus den Beteiligungen an den Energiekonzernen sind weggebrochen. Das hat beispielsweise in Zürich und den anderen am Stromkonzern Axpo beteiligten Kantonen zu Diskussionen um Verkäufe ihrer Aktienpakete geführt. Gemäss Gründungsvertrag dürfen die Kantone ihre Aktien allerdings nur untereinander und nicht an Dritte veräussern.

Zuschuss von 130 Millionen Franken

Der kleine Kanton Glarus mit seinen 40 000 Einwohnern partizipiert mit einem Anteil von lediglich 1,75 Prozent oder 6,5 Millionen Franken an der Axpo-Holding. Wesentlich schwerer wiegt sein Anteil an einer Axpo-Tochter, den Kraftwerken Linth-Limmern (KLL), die das neue Pumpspeicherwerk Limmern in den südlichen Glarner Bergen betreiben. 2010 hatte die Landsgemeinde eine Aufstockung des kantonalen Anteils von 7,5 Millionen auf 52,5 Millionen Franken beschlossen – mit leichter Hand und prall gefülltem Geldsäckel, waren dem Kanton Glarus seitens der Axpo doch 130 Millionen Franken aus der Heimfallverzichtsabgeltung zugeflossen. Denn um das neue Werk überhaupt bauen zu können, musste die Axpo die bisherige Konzession auflösen und durch eine neue ersetzen lassen. Diese gilt nun für 80 Jahre bis 2096.

Dank dem Geldsegen aus der Neukonzessionierung konnte der Kanton Glarus sein Eigenkapital markant erhöhen und einen Fonds anlegen, aus dem er bei Bedarf jedes Jahr sechs Millionen Franken zugunsten der laufenden Rechnung entnehmen kann.

Falsch eingeschätztes Risiko

Am vergangenen Freitag haben Axpo und Glarner Regierung die mit 1054 Metern längste Staumauer der Schweiz am Muttsee einsegnen lassen und damit das für 2,1 Milliarden Franken erbaute neue Wasserkraftwerk offiziell eingeweiht. Die Freude ist indes getrübt: Das Werk wird auf absehbare Zeit nicht rentieren. Und auch für Glarus wird es zum Verlustgeschäft. Noch an der Landsgemeinde 2010 war man davon ausgegangen, dass aus der KLL-Beteiligung jedes Jahr acht bis zehn Millionen Franken in die Kantonskasse fliessen würden. In Kantonsparlament hatten nur vereinzelte grüne Stimmen Zweifel an der Rentabilität geäussert. Die grosse Mehrheit sprach von «einer höchst lohnenden Beteiligung ohne realistisches Risiko».

Pumpspeicherwerk Linth-Limmern 



Linth-Limmern



Die Realität sieht ernüchternd aus: 2015 brachte die KLL-Beteiligung dem Kanton Glarus einen Verlust von 4,2 Millionen Franken ein. Gemäss Vertrag beteiligt sich der Kanton an den Gestehungskosten der Stromproduktion und trägt einen Anteil an den Baukosten. Dafür erhält er einen entsprechenden Anteil Strom, den er wiederum an die Axpo verkauft. Der tiefe Strompreis führt dazu, dass gemäss Budget und Finanzplan auch für dieses und die kommenden Jahre mit Aufwandüberschüssen zwischen 4 und 5,2 Millionen Franken aus dem Stromhandel zu rechnen ist. Dies bestätigt der Glarner Landammann und Finanzdirektor Rolf Widmer. Aktuell geht er davon aus, dass das jährliche Minus allerdings nur etwa 2 bis 2,5 Millionen Franken betragen dürfte.

Harte Verhandlungen

Rolf Widmer räumt ein, «dass man heute höchstwahrscheinlich Nein zur KLL-Beteiligung sagen würde». Der Kanton müsse sich nun die Frage stellen, «ob es Aufgabe der öffentlichen Hand ist, die KLL zu subventionieren». Ein jüngst im Kantonsparlament eingereichter Vorstoss verlangt denn auch eine Überprüfung der Strategie zur Wasserkraft. Wie gut oder schlecht die KLL-Beteiligung für den Glarner Finanzhaushalt sei, werde sich letztlich aber erst nach Ablauf der Konzession in 80 Jahren beurteilen lassen, sagt Widmer.

Derzeit läuft zwischen der Axpo-Tochter KLL und dem Kanton Glarus ein Übergangsvertrag bis November 2017. Das festliche Miteinander vom vergangenen Freitag auf der neuen Staumauer täuscht nicht darüber hinweg, dass Glarus und die Axpo bereits in harten Verhandlungen über die künftigen Vertragsbedingungen stehen. Die Vorstellungen von Kanton und KLL liegen gemäss Rolf Widmer «noch weit auseinander». Strittig ist insbesondere, welchen Kostenanteil der Kanton am neuen, auf die dreifache Leistung ausgebauten Pumpspeicherwerk übernehmen soll.

Touristische Wertschöpfung erhofft

Verhandelt wird auch über die künftige touristische Nutzung der eindrücklichen Kraftwerksanlage mitten im Gebirge. Dazu haben die Axpo, die Gemeinde Glarus Süd und touristische Organisationen eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Über den Stand der Gespräche wurde Stillschweigen vereinbart, Konzeptideen sollen zum Jahresende präsentiert werden.